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2020_Piz Bernina über den Biancograt mit Piz Palü Überschreitung

 

Nachdem ich (Andreas Preininger) seit diesem Jahr ein Schermbergler sein darf und bereits 5000er und 6000er erklommen habe, jedoch ich noch nie auf einem 4000er in den Alpen gestanden bin, ging es daran diese Lücke zu schließen. Da ich kein großer Freund von langen Anreisen bin und auch die Zeit ein wenig eingeschränkt ist fiel unsere (Christian und Astrid) Wahl auf den einzigen 4000er in den Ostalpen, den Piz Bernina. Dieser wird deswegen auch ohne Übertreibung „König der Ostalpen“ genannt.

Mitte August war es dann soweit, ein stabiles Hoch war im Anmarsch und wir konnten unsere Termine verschieben und auch noch die nötigen Hütten buchen. Donnerstag in der Früh also rein ins Auto und ab gen Westen. Nach 6 Stunden Autofahrt erreichten wir Pontresina bei traumhaftem Wetter. Vom Bahnhof aus folgt man das Rosegtal entlang einer Forststraße bis zum Hotel Roseg. Anschließend beginnt ein Wanderweg und nach kurzer Zeit erblicken wir das erste Mal unser morgiges Ziel und den beeindruckenden Biancograt.

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 Schließlich erreichen wir nach zirka 3 Stunden die Tschiervahütte auf 2583 Meter gelegen, aufgrund der geltenden Coronaregelungen ist diese nur zu ca. 2/3 belegt, was uns auch am Gipfeltag zu Gute kam. Nach dem Abendessen und erneuter Routendurchsprache ging es dann früh ins Bett.

 

Tagwache um 3 Uhr morgens und nach spärlichem Frühstück brachen wir um 4 Uhr auf um die ersten Höhenmeter im Dunkeln hinter uns zu bringen. Die Stirnlampen der vorangegangenen Bergsteiger zeigten uns den Weg durch geblocktes Gelände auf den Gletscherboden. Der versicherte Steig zur Fuorcla Prievlusa stellt auch kein Problem dar und wir erreichen gegen 8 Uhr den ersten zu kletternden Felsabschnitt. 

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 Welchen wir durchgehend sichern, nach diesen 3 Seillängen gehen wir am langen Seil bis wir auf die Morteratsch Seite am Gletscher kommen. Von hier an entschließen wir uns alleine zu gehen, da uns eine Mitreißgefahr höher erscheint und umgehen wir links den letzten Felsgrat bevor wir an den Biancograt kommen.

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Die Verhältnisse sind unten gut und wir gehen weiter, mit zunehmender Höhe wird der Grat eisiger und wir entschließen uns das letzte Stück gesichert zu gehen.

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Wir erreichen den Piz Bianco mit seinen 3995m und genießen den Ausblick in die Ferne. Nach kurzer Rast geht es rauf und runter zur Berninascharte hier folgen die nächsten Abseilstellen von nun an geht es wieder weiter am Grat zum Gipfel des Piz Bernina auf 4049 Meter welchen wir um ca. 14:30 erreichen.

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 Die nächsten Meter klettern wir über leichtes Gelände ab und erreichen den Spallagrat, gefolgt von einem Firnstück bevor wir einige Male abseilen müssen um den finalen Gletscher zu erreichen. Von hier an geht es unschwierig die letzten Meter zur Marco e Rosa Hütte.

 

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Nach einer erholsamen Nacht starten wir am nächsten Morgen um 6:00 bei guten Verhältnissen und traversieren unschwierig leicht ansteigend unterhalb der Crast Agüzza und den Bellavista Gipfeln.  

 

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Die Bellavista Traverse empfängt uns teilweise mit tiefem und aufgeweichtem Schnee bis wir den Sattel Fuorcla Bellavista nach ca 1 Stunde 45 Minuten erreichen.

Von Hier an geht es wieder im Fels weiter, die freie Kletterei im II Schwierigkeitsgrad ist ein Genuss, da der Fels sehr kompakt ist erfordert aber jederzeit vollste Konzentration da es öfters ausgesetzt ist. 

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Wir erreichen den Piz Spinas, welcher auch als Piz Palü Westgipfel bezeichnet wird bei besten Wetterverhältnissen. Von hier an geht es wieder im Firn weiter auf den Hauptgipfel des Piz Palü (3901m). 

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Von hier an folgen wir dem Grat zum Ostgipfel und weiter dem schmalen und steil abfallenden Ostgrat zur Schulter.

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 Von hier an geht es unschwierig über den teilweise stark zerklüfteten Persgletscher, die Wegfindung stellte uns Aufgrund des ausgetretenen Pfades vor keine Schwierigkeiten.

 

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So erreichen wir die Scharte unterhalb des Piz Arlas, wo wir unser Gletscherequipment verstauen.

 

Von hier an geht es auf einem gut ausgetretenenm Steig zur Bergstation der Diavolezza. Am Ausgangspunkt angekommen, fängt es zu regnen an, dass nenn ich mal Zeitmanagement und Ausnutzung des Wetterfensters.

 

2020_Teufelshorn - Großglockner NW Grat

Der NW-Grat auf den Großglockner ist eine Tour die schon länger auf der Wunschliste steht. Nicht zu spät im Jahr, damit die Grögerrinne noch Schnee zum Stapfen hat, doch die recht instabile Wetterlage im Frühsommer scheint wieder einmal eine Strich durch die Rechnung zu machen, insbesondere da ja auch Leo mitgehen will und da gehen wegen der Schule halt nur die leider großteils instabilen Wochenenden. Doch Dank des oberösterreichischen Schul-Lockdowns Ende Juni ergibt sich die Gelegenheit in der Mitte der letzten Schulwoche überraschend doch noch. Doris nimmt sich auch kurzerhand frei, und nachdem auch Karl noch zusagt wird die Familienausfahrt spontan in die (seit längerem anstehende) Führungstour umfunktioniert.
 

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Am Weg zum Einstieg. Glocknerwand, untere Glocknerscharte, Teufelshorn, Großglockner (v.l.)
 

Nach einer Nacht auf der Stüdlhütte starten wir gegen 6 Uhr früh über die Scheren in Richtung Stüdlgrat. Auf Höhe des Louisenkopfs verlassen wir die Spur und wenden uns nach links um die untere Glocknerscharte, den tiefsten Einschnitt zwischen Glocknerwand und Großglockner, anzuvisieren.
 

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Aufstieg in der Grögerrinne.
 

Der Trittfirn in der Grögerrinne ist noch gut, nur eine kurze Passage ist beinahe blank, jedoch problemlos zu überwinden.
 

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Gratbeginn in der unteren Glocknerscharte.
 

Nach 2 1/2 Stunden erreichen wir die Scharte und es treffen uns die ersten Sonnenstrahlen des Tages. Weiter gehts ab hier im blockigen Gratgelände in Zweierseilschaften.
 

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In der 3. Länge etwas abseits des Grates.
 

Nachdem wir uns anfänglich zu weit in der Flanke halten (die Tatsache, dass uns Gerlinde Kaltenbrunner am direkten Grat überholt macht uns schon ein bisschen stutzig) erreichen wir nach einigen mobil abzusichernden Seillängen und zwei kurzen Abseilstellen aber schließlich doch nach etwa 7 Stunden das imposante Teufelshorn.
 

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Letzter Stand vor dem Teufelshorn.
 
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Am Teufelshorn.
 
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Abseilen vom Teufelshorn.
 

Nachdem die uns folgende Seilschaft nur mit einem 40m Seil unterwegs ist, gestaltet sich das Zusammenwarten beim 30m Abseilen vom Teufelshorn und der weitere Weg zur Grögerschneid (der Punkt wo NW-Grat, Berglerrinne, obere Grögerrinne und Mayerlrampe zusammmenkommen) etwas langwieriger.
 

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Blick von der Grögerscheid auf Glocknerhorn, Teufelshorn und Glocknerwand (v.r.)
 

Inzwischen ist es bereits 15 Uhr aber das Wetter sieht zum Glück nach wie vor bestens aus, und die Tage sind lang. Der Weiterweg zum Gipfel ist nun mit eingebohrten Ständen ausgestattet und auch einfacher (mit Ausnahme der Draschplatte, einer Einzelstelle die aber gut abgesichert ist). Trotzdem braucht es noch seine Zeit, und als Leo nach knapp 12 Stunden auf dem letzten Standplatz meint, am liebsten würde er sich jetzt mit dem Hubschrauber abholen lassen, kann ich ihm nicht wirklich widersprechen.
 

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Am Grat nach der Grögerschneid.
 
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Standplatz vor der Draschplatte.
 
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In der letzten Seillänge.
 

Schließlich erreichen wir um knapp 18 Uhr den Gipfel. Dank der fortgeschrittenen Zeit sehen wir gerade noch die letzten im Abstieg über den Kleinglockner verschwinden, wir können die Abendsonne also ganz allein auf dem Gipfel genießen, ein Privileg das man im Hochsommer bei bestem Wetter sonst selten hat.
 

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Aufbruch zum Abstieg.
 

Nach etwa 30 Minuten beginnen wir den langen Abstieg zum Lucknerhaus, wo wir kurz nach 22 Uhr in der Finsternis beim Auto ankommen. Wir sind uns einig, dass es eine zwar fordernde doch trotzdem herrliche Tour war. Und noch wissen wir nicht, dass es weitere Stunden bis kurz vor Bischofshofen dauern wird, bis wir in Corona-Zeiten endlich zumindest eine offene Tankstelle finden um endlich etwas zu essen und zu trinken kaufen zu können.
 

Karl Kirchweger, Doris, Leo & Armin Schoisswohl

2012 Biancograt

von Bajc Johannes

 

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