Almkogel über das Salzsteigjoch

von Sepp Zehetner
 

Am letzten Samstag im April ging es mit Geri wieder einmal bei Sonnenaufgang von der Baumschlagerreith über die Poppalm zum Ende des Tales. Wir nahmen jedoch nicht den Sommerweg Richtung Sigistal sondern hielten uns links und marschierten in das Tal, das sich in einer breiten Rinne zum Gipfel des Gamsspitzes hinaufzieht. Die Rinne war in diesem Winter ausreichend mit Schnee gefüllt und wir kamen mit unseren Skiern schnell empor.
 

Auf einer Höhe von ca. 1400 Meter wechselten wir auf den Weg des Salzsteigjoches, der mit Drahtseilen abgesichert ist, nach links. Wir querten ein 30 Meter breites Schneefeld, in das wir Stufe um Stufe schlugen. Nun standen wir vor dem oberen Teil des Salzsteigkars. Von dort ging es sehr steil empor. 50 m unterhalb des Salzsteigjoches schlängelte sich auf der linken Seite ein Weg Richtung Gamsstein. Dem folgten wir und marschierten über einen Rücken zum Almkogel.
 

Für die letzten 200 Höhenmeter mobilisierten wir noch einmal unsere Kräfte und zogen zum Gipfelkreuz. Von dort ergab sich ein wunderbarer Ausblick auf die umliegenden Berge des Toten Gebirges. Die Gipfelrast durfte an diesem Tag ruhig ein wenig länger dauern – es war ein windstiller, warmer sonniger Tag. Einige andere Tourengeher wählten den kürzeren Anstieg von der Tauplitzalm aus. Nun lag eine der schönsten Südabfahrten im Toten Gebirge vor uns. Nach ca. 300 Höhenmetern querten wir die Zirmleit’n Richtung Salzsteigjoch.
 

Geri teilte mir nun mit, dass das Salzsteigjoch wegen seiner Steilheit und Lawinengefahr nur bei besten Bedingungen befahrbar ist. Unser Schneefeld mündete in einem Felsabbruch. Dort entsprang auch ein kleiner Bach, der als Wasserfall in die Tiefe stürzte. Dementsprechend vorsichtig ging es nun bergab.
 

40 m oberhalb des Wasserfalles mussten wir nach links queren. Die Skier wurden am Rucksack verstaut. Schritt für Schritt ging es rückwärts, die Stufen suchend nach unten, bis wir die rettenden Drahtseile des Salzsteigjochweges erreichten. Steigeisen und Pickel wären sicher eine große Hilfe gewesen.
 

Nach 10 Minuten gelangten wir in die untere Steilrinne, die den ganzen Tag im Schatten lagt. Wegen des warmen Wetters firnte sie rechtzeitig auf und so ging es in toller Fahrt zwischen den Felsen zum Fuß des Gamssteines. Über die Poppenalm ging es wieder retour zu unserem Ausgangspunkt.


Bau der Baumschlagerreith erfuhr ich von Geri, dass es schon immer sein Traum war das Salzsteigjoch im Winter zu befahren. Jedoch kannte er bis jetzt niemand der es gewagt hätte. Es war klar, dass man so eine Tour nur mit einem Bergkameraden wagen sollte, der die Verhältnisse vor Ort am besten einschätzen kann um den idealen Zeitpunkt auszuwählen.