100 Jahre Linzer Weg

100 Jahre Linzer Weg durch die Schermberg-Nordwand

Anlässlich des heurigen Doppeljubiläums 90 Jahre Schermbergler und 100 Jahre Linzer Weg durch die Schermberg-Nordwand (4.7.1920 Erstbegehung durch die drei Kletterer Damberger, Karning und Steiger; 1. Winterbegehung durch den Schermbergler Karl Blach und Karl Lugmayer 30.12.1950 – 01.01.1951), machen wir uns zu sechst auf den Weg zum Einstieg. Dort werden die Helme aufgesetzt und die Klettergurte angezogen. Seile, Karabiner und Kletterschuhe bleiben vorerst jedoch noch im Rucksack, da der erste Abschnitt im 2. – 3. Schwierigkeitsgrat relativ weit in seilfreier Kletterei bewältigt werden kann.

Heuer wurde die Route fürs Jubiläum mit Bohrhaken versehen, sozusagen „herausgeputzt“, wofür wir den fleißigen Leuten recht dankbar sind. Die Wegfindung ist dadurch etwas einfacher, verlangt aber noch immer alpines Gespür. Absolute Trittsicherheit ist ebenfalls unabdingbar, um in einem Gelände, welches zeitweise steil und ausgesetzt ist, den Ausstieg „in einem Stück“ zu erreichen. Da der Fels zudem nicht immer bombenfest ist, bedarf es größter Sorgfalt, um mit lockeren Steinen nicht die Freunde zu verletzen.

Trotz dieser Widrigkeiten ist es aber natürlich ein tolles Erlebnis, als kleiner Mensch durch so eine große, imposante Wand (eine der höchsten der Ostalpen) zu steigen.

So erreichen wir zügig das große Schuttfeld. Nach diesem beginnt der schwierigere Kletterabschnitt, welcher mit 4+ bewertet ist. Nun ziehen wir auch die Kletterschuhe an und holen die Seile und das restliche Kletterzeug aus den Rucksäcken. Wir teilen uns in zwei Seilschaften zu je 3 Personen und dann sind wir auch bald mitten drinnen in Quergängen, steilen Rissen und plattigen Abschnitten. Wir empfinden es als sehr angenehm, dass es jetzt verlässliche Bohrhaken anstatt der alten „Rostgurken“ gibt.

Heute sind auch zwei unserer etwas älteren Schermbergler (75 und 72 Jahre) mit uns unterwegs. Von manchen Mitgliedern unseres Vereins wurde diese klassische Klettertour bereits bis zu 10-mal durchstiegen. Hochachtung vor dieser Leistung – zumal das Wetter nicht immer so perfekt mitgespielt hat wie bei unserer Begehung und der damals noch dürftigen Absicherung!

Bei uns passt heute aber alles optimal und wir genießen auf den Standplätzen die tolle Aussicht. Nach ca. 7 Seillängen erreichen wir wieder leichteres Gelände. Nun packen wir die Seile ein, wechseln zurück zu den Bergschuhen und steigen seilfrei im 2. – 3. Grad weiter bis zum Ausstiegsband hinauf. Über dieses wird dann nach rechts hinter dem Grat ein kleines Schuttkar erreicht, durch welches wir dann wir auf den letzten Kamm gelangen. Nun ist es bald geschafft und kurze Zeit später sind wir beim Gipfelzeichen angekommen, genießen die Rast mit herrlichem Rundblick und denken auch an die tolle Leistung der Erstbegeher vor 100 Jahren!

 

Franz Kraxberger